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Sepp Weiler

Frank Löffler

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Tradition

Etwas in eigener Sache

Aus Spiegel Nr. 44 / 1949 - 27.10.1946

 

"Wenn er da runter fliegt

wird Weltrekord sein gewesen"

 

Ps. Habe leider keine Ahnung wie dieser "lustige" Reporter damals hieß, der diesen Satz von sich gegeben hat. Aber nett oder?

Zauberhafte Kopftücher, 500 Stück, in Gelb, Braun, Blau, Rot packten Sepp Weiler und Rudi Gering, deutsche Skiflug-Sonderklasse, in einen Fiat-Simca 1100. Das Kopftuch zu 8 DM hökerten sie durch Trizonien. 40000 DM kamen zusammen. Der Kopftuch-Zauber besteht darin, daß während der "Skiflugwoche Februar 1950" freien Eintritt ins Birgsautal haben wird, wer solch ein Ding vorzeigt.

"Wir können nicht warten, bis wir wieder nach Planica dürfen", brummt Sepp Weiler, Heuß-Deutschlands bester Skispringer. Planica ist der Welt größte Skiflugschanze. Sepp Weiler (28), Heini Klopfer (31) und Toni Brutscher (24) zeigten dort 1941, daß sie eine Flugschanze wie Planica verdienen. Rudi Gering sprang den Planica-Weltrekord auf 118 m. Der Jammer ist heute, daß Tito keinen Deutschen mehr nach Planica läßt.

Als der Berg damals nicht zu Moses kam, war die Lösung für Moses einfacher. Sepp Weiler beschloß, sich einen Planica-Berg zu bauen. Rekordsüchtig zog er in den Bergen umher, einen Platz zu suchen. Da brach Brigitte Weiler, geborene von Quitzow, naturblond, 28, sich Ostern 49 im Birgsautal am Fuß des Himmelsschrofen das ostpreußische Wadenbein. Sie wollte Sepp von der Bahn abholen. "Du hast die Schanze eingeweiht", tröstete Gatte Sepp an Ort und Stelle. Er kam gerade von neuen Rekorden. Genau dort bauen die Weiler-Klopfer-Brutscher jetzt die Ueber-Planica-Schanze. Die Erdarbeiten sind fertig, in sechs Wochen soll der Anlaufturm stehen. Wenn das Wetter sich hält, will Architekt Heini Klopfer im Dezember noch mit allem fertig sein.

Die Anlage soll 500 m lang werden, davon sind 160 m Anlaufebene. Klopfer berechnete die Super-Schanze auf 120 km/st Anfahrtsgeschwindigkeit, mindestens 120 m Sprungweite und 80 km/st Aufsetzgeschwindigkeit bei Punkt "P 120" auf dem 150 m langen Auslauf.

Im Februar 49 sprang der Jugoslawe Polda in Planica 120 m, neuen Weltrekord. Polda traf Sepp Weiler in Innsbruck: "Wenn Du nach Planica kommst, wird Weltrekord sein gewesen". Damals wußte Polda noch nichts von Sepps Schanzenplänen im Birgsautal.

Brigitte Weiler bekommt jetzt schon Sorgen. Mit zugekniffenen Augen sah sie vor Jahren Sepp nach dem ersten Rendezvous springen. Seitdem hat sie sich an herkömmliche Schanzen gewöhnt. "Aber wenn er da runter fliegt, habe ich doch Angst!"

80000 DM wird der ganze Apparat nach Klopfer Heinis Kalkulation kosten. Die ersten 10000 rissen die Allgäuer dem bayrischen Landes-Sportverband aus dem Kassenschub. Das hört sich leicht an, aber damals wollten Baiersbrunn, Ruhpolding und Bayrisch-Gmain dieselben Geldscheine jeder für sich haben, um die Ueber-Schanze zu bauen, die allenthalben als Traum in der Luft hing. Die Baiersbrunner und die Bayrisch-Gmainer steckten freiwillig auf. Die Ruhpoldinger gaben erst nach einer Urabstimmung (19:3) des Bayrischen Skiverbandes Ruh.

"Wir haben die besten Springer und müssen auch die beste Schanze haben", sprach Sepp Weiler für Oberstdorf. "Wenn Ruhpolding die Schanze bekommt, wird kein Allgäuer dort springen", sekundierten Rudi Gering, Heini Klopfer, Toni Brutscher.

Dreißig Minütchen hinter der Schanze liegt die "Alpengaststätte Hochleite". Taktisch richtig. Sechs Doppelzimmer und 40 Matratzenbetten. Vollpension 7,50, im Winter 8,50. Kein Kunststück, vorauszusagen, daß dieser nette, schanzennahe Laden ausbaufähig ist, wenn Sepp Weiler erst auf zischenden Brettern über die Weltrekord-Schanze fliegt.

1950 bei der ersten Skiflugwoche sprang Sepp Weltrekord mit 127 m

am Tag darauf verbesserte er seinen Rekord auf 133 m.

Die "Alpengaststätte Hochleite" bewirtschaftete Sepp und Brigitte Weiler bis ca. 1952